
Lagekarte von Bergkarabach im Südkaukasus. Gemeinfreies Bild.
Die Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan wurden zwischen 2020 und 2023 durch militärische Gewalt neu geordnet. Fast drei Jahrzehnte lang stand Bergkarabach im Zentrum des Streits: eine Region, die international als Teil Aserbaidschans anerkannt war, aber nach dem Krieg von 1991 bis 1994 faktisch von lokalen Armeniern mit Unterstützung Armeniens verwaltet wurde. Der aserbaidschanische Sieg von 2020, die Offensive vom September 2023 und die fast vollständige Flucht der armenischen Bevölkerung aus der Region verlagerten den Schwerpunkt der Verhandlungen. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, wer Bergkarabach kontrolliert, sondern ob aus einem militärischen Sieg anerkannte Grenzen, rechtlich geregelte Bewegung, Schutz für Betroffene und normale diplomatische Beziehungen entstehen können.
Diese Verschiebung beendete den politischen Konflikt nicht. Für Baku bestätigte die Rückeroberung Bergkarabachs die territoriale Integrität Aserbaidschans und schloss jede Autonomieformel für die frühere Separatistenregion aus. Für Eriwan rückten der Schutz des international anerkannten armenischen Staatsgebiets, die Verhinderung einer extraterritorialen Passage durch Südarmenien und der Umgang mit den vertriebenen Armeniern aus Bergkarabach in den Vordergrund. Im Juni 2026 bestand das Problem nicht mehr nur darin, einen Friedenstext zu formulieren. Entscheidend war, ob seine Regeln zu Grenzen, Transit, Gerichtsverfahren und Umsetzung weiteren Druck begrenzen würden. Russland und die Türkei bleiben direkte Sicherheitsakteure, während Iran, die Europäische Union und die Vereinigten Staaten Routen, Energie und Diplomatie prägen.
Zusammenfassung
- Bergkarabach lag innerhalb Aserbaidschans, hatte aber eine armenische Bevölkerungsmehrheit und von 1994 bis 2023 eine getrennte De-facto-Verwaltung. Dadurch stießen politische Selbstbestimmung, territoriale Integrität und militärische Kontrolle aufeinander.
- Der Krieg von 2020 verkleinerte das von lokalen armenischen Kräften gehaltene Gebiet erheblich, und die aserbaidschanische Offensive vom September 2023 beendete die separatistische Verwaltung. Fast alle Armenier der Region flohen anschließend nach Armenien.
- Nach 2023 wurde die armenisch-aserbaidschanische Grenze zum Kernproblem. Grenzdelimitierung, Demarkation, lokale Sicherheit und der Rückzug von Kräften aus umstrittenen Bereichen entscheiden, ob Frieden stabil wird oder nur eine bewaffnete Pause bleibt.
- Die Verbindung nach Nachitschewan ist die empfindlichste Verkehrsfrage. Aserbaidschan will einen Landweg zu seiner Exklave, während Armenien darauf besteht, dass jede Route durch Südarmenien unter armenischer Souveränität und Gerichtsbarkeit bleibt.
- Die Vermittlung hat ihr Zentrum gewechselt. Die OSZE schloss den Minsk-Prozess nach der Washingtoner Erklärung von 2025, Russland wurde durch den Krieg in der Ukraine und den Bruch mit Eriwan geschwächt, und die USA sowie die EU gewannen Raum, indem sie Frieden mit Handel und Infrastruktur verbanden.
Wie Bergkarabach den modernen Konflikt prägte
Bergkarabach liegt im Südkaukasus, in einem Berggebiet, das die Sowjetunion als autonomes Gebiet innerhalb der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik verwaltete. Diese sowjetische Grenzziehung beseitigte weder die armenische Bevölkerungsmehrheit noch die kulturellen und politischen Verbindungen vieler Bewohner zu Armenien. Als der sowjetische Staat Ende der 1980er Jahre an Durchsetzungskraft verlor, verlangte das Regionalparlament die Übertragung Bergkarabachs an Armenien. Ein Streit, den Moskau zuvor administrativ eingedämmt hatte, wurde dadurch zu einem Konflikt aus nationaler Mobilisierung und offenem Krieg. Vertreibungen und interkommunale Gewalt gaben ihm eine dauerhafte gesellschaftliche Dimension.
Der erste Krieg von 1991 bis 1994 endete mit einem armenischen Vorteil. Lokale armenische Kräfte, unterstützt von Armenien, kontrollierten Bergkarabach und umliegende aserbaidschanische Bezirke. Diese Gebiete dienten als Sicherheitszone und Landverbindung nach Armenien. Der Waffenstillstand von Bischkek im Jahr 1994 fror die militärische Linie ein, ohne die Souveränität zu klären. Das Ergebnis war eine instabile Ordnung: Aserbaidschan behielt die internationale Anerkennung des Gebiets, während die lokalen Armenier faktische Kontrolle ohne internationale Anerkennung ausübten.
Diese Ordnung erzeugte gegensätzliche Anreize. Armenien und die Behörden Bergkarabachs wollten eine im Krieg geschaffene territoriale Realität erhalten, obwohl ihr die äußere Anerkennung fehlte. Aserbaidschan hatte Gebiet verloren und viele Binnenvertriebene aufgenommen. Deshalb investierte es Energieeinnahmen, militärischen Wiederaufbau und auswärtige Bündnisse in eine Veränderung des Kräfteverhältnisses. Der Waffenstillstand war weniger Frieden als eine lange Unterbrechung der Kampfhandlungen, weil keine Seite die politischen Kosten eines Nachgebens akzeptierte.
Die Minsk-Gruppe und die Grenzen postsowjetischer Diplomatie
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa schuf 1992 die Minsk-Gruppe, um eine Verhandlungslösung zu suchen. Russland brachte regionalen Einfluss ein. Die Vereinigten Staaten und Frankreich ergänzten westliches Gewicht und multilaterale Legitimität. Das Format hielt diplomatische Kanäle offen, beruhte aber auf einem schwierigen Kompromiss. Die Parteien hätten Aserbaidschans territoriale Integrität, Garantien für die Armenier Bergkarabachs und eine Antwort für Vertriebene akzeptieren müssen.
Die Schwierigkeit war politisch. Für Aserbaidschan hätte eine Lösung, die Bergkarabach außerhalb der effektiven Kontrolle Bakus ließ, den territorialen Verlust legitimiert. Für die lokalen Armenier hätte die Anerkennung aserbaidschanischer Souveränität ohne robuste Garantien bedeutet, ihre Sicherheit dem Staat anzuvertrauen, gegen den sie gekämpft hatten. Für Armenien berührte der Streit außerdem Innenpolitik, die Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern und die Angst vor regionaler Isolation, da die Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan jahrzehntelang geschlossen waren. Ohne einen von allen Seiten akzeptierten Durchsetzungsmechanismus konnte die Vermittlung Prinzipien formulieren, hatte aber keine ausreichenden Mittel, den Regierungen die politischen Kosten ihrer Anwendung aufzuzwingen.
Russlands Rolle war innerhalb dieses Systems zweideutig. Moskau war über die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit formeller Verbündeter Armeniens und unterhielt eine Militärbasis im Land, verkaufte aber zugleich Waffen an Aserbaidschan und wollte Einfluss auf beide Seiten behalten. Diese Zweideutigkeit machte Russland als Vermittler nützlich, weil sowohl Baku als auch Eriwan mit Moskau sprechen mussten. Sie verhinderte zugleich eine klare Garantie für Bergkarabach, denn Moskau gewann Einfluss, wenn beide Staaten von seiner Intervention abhängig blieben.
Der Krieg von 2020 und die militärische Wende Aserbaidschans
Der Krieg von 2020 zeigte, dass das militärische Gleichgewicht der 1990er Jahre verschwunden war. Aserbaidschan verband Einnahmen aus Kohlenwasserstoffen mit Reformen der Streitkräfte. Drohnen, Artillerie und türkische Unterstützung halfen Baku, Bezirke um Bergkarabach und Teile der Region selbst zurückzuerobern. Die Einnahme von Schuscha, einer strategisch und symbolisch wichtigen Stadt, brachte die armenischen Kräfte in eine schwache Lage. Der Krieg bewies, dass eine eingefrorene Verhandlung durch materielle Verschiebungen von Macht, Technologie und Bündnissen wieder geöffnet werden konnte. Die von Russland vermittelte Vereinbarung vom 9. und 10. November 2020 stoppte den Krieg und gab Gebiete an Aserbaidschan zurück. Sie stationierte auch russische Friedenstruppen im Latschin-Korridor, der Verbindung zwischen Armenien und den in Bergkarabach verbliebenen Armeniern.
Diese Vereinbarung war keine endgültige Lösung. Sie ließ den Status Bergkarabachs offen, bewahrte eine begrenzte russische Militärpräsenz und versprach die Wiederöffnung regionaler Verkehrsverbindungen. Für Baku eröffnete der Text die Möglichkeit, einen Landweg nach Nachitschewan zu verlangen, der aserbaidschanischen Exklave zwischen Armenien, Iran und der Türkei. Für Eriwan bedeutete dieselbe Klausel die Wiederöffnung von Routen unter der Souveränität der durchquerten Staaten. Das Wort „Korridor“ wurde deshalb zu einem rechtlichen und politischen Streitpunkt: armenisch regulierte Transitroute oder Sonderpassage unter externer Kontrolle.
Auch die russische Präsenz wurde weniger verlässlich. Nach Russlands Invasion der Ukraine im Jahr 2022 verlor Moskau militärische Kapazität, diplomatische Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit gegenüber der armenischen Regierung. Als Grenzgefechte Gebiete erreichten, die Eriwan als anerkanntes armenisches Territorium betrachtet, beklagte Armenien, die OVKS biete keinen wirksamen Schutz. Diese Enttäuschung führte dazu, dass Armenien nationale Sicherheit als Frage diplomatischer Diversifizierung behandelte und die Abhängigkeit vom russischen Bündnis verringerte.
2023 und das Ende lokaler armenischer Herrschaft in Bergkarabach
Von Dezember 2022 bis September 2023 stand der Latschin-Korridor im Zentrum der humanitären Krise. Aserbaidschan beschränkte die Bewegungsfreiheit zunehmend, zunächst durch als Umweltaktivisten auftretende Demonstranten und später durch einen offiziellen Kontrollposten. Für die Armenier Bergkarabachs bedeutete die Unterbrechung der Verbindung nach Armenien geringeren Zugang zu Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff. Für Baku war die Maßnahme Ausdruck souveräner Kontrolle über eine Route auf aserbaidschanischem Gebiet und eine Antwort auf Aktivitäten, die es als illegal bezeichnete.
Im September 2023 startete Aserbaidschan eine Militäroperation, die die lokalen armenischen Kräfte binnen etwa eines Tages besiegte. Die separatistischen Behörden akzeptierten die Entwaffnung und kündigten die Auflösung ihrer Institutionen an. In den folgenden Tagen floh fast die gesamte armenische Bevölkerung Bergkarabachs nach Armenien. Internationale Missionen und Agenturen hielten den plötzlichen Charakter des Exodus und die sehr geringe Zahl verbliebener Armenier fest. Politisch war die Wirkung entscheidend: Bergkarabach hörte auf, als getrennte De-facto-Einheit zu funktionieren. Die Flucht seiner armenischen Bevölkerung machte humanitäre, eigentumsrechtliche und juristische Fragen zu einem dauerhaften Teil der Verhandlungen.
Aserbaidschan argumentiert, es habe die Kontrolle über international anerkanntes Territorium wiederhergestellt und Armenier könnten sich als aserbaidschanische Bürger reintegrieren. Armenien und viele armenische Beobachter beschreiben die Ereignisse als ethnische Säuberung oder erzwungene Vertreibung, weil die Bevölkerung nach Monaten der Blockade, militärischer Drohung und tiefem Misstrauen gegenüber Bakus Garantien floh. Dieser Gegensatz prägt jede künftige Friedensordnung. Wird die Frage als geklärte Souveränität behandelt, bleiben Vertriebene und Rückkehrrechte marginal. Ein Schutzansatz bräuchte Mechanismen, deren Internationalisierung Aserbaidschan ablehnt.
Grenzen, Enklaven und das Risiko eines unvollständigen Friedens
Nach 2023 wurde die internationale Grenze zum praktischsten und gefährlichsten Teil des Streits. Armenien und Aserbaidschan erbten sowjetische Grenzen, die vor Ort nicht immer präzise markiert waren. In ländlichen Räumen können Straßen, Weiden, Höhenzüge und Dörfer nahe an militärischen Stellungen liegen, sodass kleine Kontrollverschiebungen nationale Krisen auslösen. Delimitierung ist die politische und kartografische Festlegung des Grenzverlaufs. Demarkation ist seine physische Markierung im Gelände. Ohne beide Schritte bleiben Patrouillen und Bewohner Vorfällen ausgesetzt, die jede Regierung als Aggression der anderen darstellen kann.
Enklaven verschärfen das Problem. Aserbaidschan beansprucht Dörfer, die in der Sowjetzeit aserbaidschanische Enklaven innerhalb Armeniens waren, während Armenien fürchtet, die Rückgabe von Gebieten ohne Infrastrukturgarantien könne innere Straßen unterbrechen und Grenzgemeinden schwächen. Solche Streitfragen brauchen mehr als alte Karten. Die Regierungen müssen sicheren Zugang für Bewohner, Straßenplanung, vorhersehbare Militärpositionen und glaubwürdige Untersuchungen von Zwischenfällen vereinbaren.
In der Praxis trennt die Grenze auch zwei Sicherheitsnarrative. Das militärisch gestärkte Aserbaidschan will seine Gewinne festigen und verhindern, dass Armenien die Bergkarabach-Frage in internationalen Foren wieder öffnet. Armenien, geschwächt durch die Niederlage und den Vertrauensverlust gegenüber Russland, will gegenseitige Anerkennung in Schutz vor weiteren territorialen Forderungen umwandeln. Frieden wird nur dann dauerhaft sein, wenn die Grenze nicht länger ein Raum bleibt, in dem die stärkere Seite die Toleranz der anderen testet.
Transitwege, Nachitschewan und regionale Wirtschaft
Regionale Konnektivität wird oft als offensichtlicher wirtschaftlicher Vorteil dargestellt, ist im Südkaukasus aber untrennbar mit Souveränität verbunden. Aserbaidschan will eine Verbindung zwischen seinem Hauptgebiet und Nachitschewan, der an die Türkei grenzenden Exklave. Eine solche Route würde Aserbaidschans Abhängigkeit von Wegen über Iran verringern und die Achse Aserbaidschan-Türkei stärken. Sie könnte außerdem Kaspisches Meer und Anatolien über Verkehr und Handel verbinden. Deshalb betrachten Baku und Ankara diese Route als Element türkischer Integration und regionaler Projektion.
Für Armenien kann dasselbe Projekt Chance oder Bedrohung sein. Funktioniert die Route unter armenischem Recht, armenischer Zollhoheit und Gegenseitigkeit, könnte Eriwan Handel, Infrastruktur und eine teilweise Entlastung von der Isolation durch geschlossene Grenzen gewinnen. Wird daraus ein extraterritorialer Korridor mit eingeschränkter Kontrolle oder externer Aufsicht, verlöre Armenien Autorität über Sjunik, die südliche Provinz, die es mit Iran verbindet. Der Streit über Verkehr betrifft daher Gerichtsbarkeit, Gebühren, Kontrolle und die Frage, wer die Passage unterbrechen kann.
Iran verfolgt dieses Thema aufmerksam, weil seine Grenze zu Armenien kurz, aber strategisch ist. Teheran will keine Verbindung Aserbaidschan-Türkei, die Irans Bedeutung als Ausweichroute mindert und das Gleichgewicht an seiner Nordgrenze verändert. Für Iran ist die Route weniger eine einzelne Bahnlinie als eine Veränderung der politischen Geografie seiner Nachbarschaft. Russland sieht ebenfalls das Risiko, seine Rolle als Wächter von Verkehrswegen und Vermittler zu verlieren, auch wenn seine Fähigkeit zur Durchsetzung abgenommen hat. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union sehen in der Konnektivität dagegen eine Möglichkeit, russische Abhängigkeiten zu verringern und eurasische Handelsrouten über westlichere Partner zu öffnen.
Vermittlung nach Russland
Russland war 1994 und 2020 unverzichtbar, ist aber seit 2022 nicht mehr der unangefochtene Schiedsrichter. Der Krieg gegen die Ukraine band Ressourcen und verschlechterte Moskaus Beziehungen zum Westen. Gleichzeitig kam Armenien zu dem Schluss, dass russischer Schutz weder den Druck auf Latschin noch die Offensive von 2023 noch Grenzvorstöße verhinderte, die Eriwan als Verletzungen armenischen Gebiets betrachtet. Diese Wahrnehmung verringerte Armeniens Bereitschaft, eine regionale Ordnung zu akzeptieren, in der Moskau als Garant auftritt, ohne Sicherheit tatsächlich zu garantieren.
Die Europäische Union füllte einen Teil dieses Raums mit politischen Treffen, humanitärer Hilfe, Unterstützung bei der Delimitierung und einer zivilen Beobachtungsmission auf der armenischen Seite der Grenze. Ihre Stärke liegt in wirtschaftlichen Anreizen, diplomatischer Legitimität und nichtmilitärischer Beobachtung. Ihre Grenze liegt im Mangel an Zwangsinstrumenten und in der europäischen Abhängigkeit von aserbaidschanischer Energie, die eine härtere Linie gegenüber Baku erschwert. Die EU kann Gespräche erleichtern und lokale Risiken senken, obwohl sie Aserbaidschan kaum zu Bedingungen zwingen kann, die Baku als Widerspruch zu seinem Sieg sieht.
Die Vereinigten Staaten gewannen an Bedeutung, als sie im August 2025 die Paraphierung eines Friedensvertragstextes und einer gemeinsamen Erklärung von Ilham Aliyev und Nikol Paschinjan ausrichteten. Der paraphierte Text erkennt die von den Sowjetrepubliken geerbten Grenzen an, schließt territoriale Ansprüche aus, verbietet Gewalt oder Gewaltandrohung und sieht nach der Ratifikation diplomatische Beziehungen vor. Die gemeinsame Erklärung sieht außerdem eine Verbindung zwischen dem Hauptgebiet Aserbaidschans und Nachitschewan über armenisches Territorium vor, auf Grundlage der Achtung von Souveränität, territorialer Integrität und staatlicher Gerichtsbarkeit, und nennt die Trump Route for International Peace and Prosperity (TRIPP) als Routenprojekt, das Armenien mit den Vereinigten Staaten und einvernehmlich bestimmten Dritten entwickeln soll. Damit verschob sich der Streit um den Transitweg. Baku hatte die Passage als strategische Achse behandelt. Im politischen Text hängt sie dagegen von armenischem Recht ab und bindet die Vereinigten Staaten ein. Paraphierung bedeutet jedoch noch kein Inkrafttreten. Im Juni 2026 verlangte die Umsetzung weiterhin endgültige Unterzeichnung, Ratifikation und Regelungen zu Verkehr, Gefangenen, Vermissten, internationalen Klagen und feindlicher Rhetorik. Die Schließung des Minsk-Prozesses durch die OSZE im Jahr 2025 bestätigte, dass das alte Vermittlungsformat endete, bevor ein vollständig erprobter Frieden bestand.
Völkerrecht, Vertriebene und politisches Vertrauen
Das Völkerrecht erscheint in zwei Schichten. Die erste ist territorial: Die meisten Staaten erkannten Bergkarabach als Teil Aserbaidschans an, auch als die Region von lokalen Armeniern verwaltet wurde. Diese Regel stärkte Bakus Rechtsposition, besonders als Aserbaidschan seine Operationen als Wiederherstellung territorialer Integrität darstellte. Die zweite Schicht ist menschlich: Territoriale Souveränität beseitigt keine Pflichten zum Schutz von Zivilisten, zur sicheren Rückkehr, soweit sie rechtlich geboten ist, zur Nichtdiskriminierung und zum Erhalt von Kulturerbe.
Die Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof zeigen diese zweite Schicht. Armenien und Aserbaidschan haben einander auf Grundlage des Internationalen Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung verklagt, eines Vertrags, der rassistische Diskriminierung verbietet und dem Gerichtshof eine Grundlage für Streitigkeiten zwischen Vertragsstaaten gibt. Der Gerichtshof hat bereits über einstweilige Maßnahmen, also dringliche Anordnungen zur Sicherung von Rechten vor einem Endurteil, und über Zuständigkeitsfragen entschieden, doch ein Urteil in der Sache braucht Zeit. Diese Verfahren ersetzen keine politischen Verhandlungen, schaffen aber einen rechtlichen Bestand zu Gefangenen, Vertriebenen, Hassrede, Kulturerbe und möglichen Schutzpflichten. Der paraphierte Friedenstext würde die Parteien nach seinem Inkrafttreten verpflichten, zwischenstaatliche Klagen aus dem früheren Streit zurückzunehmen oder anderweitig zu erledigen. Damit wird der Rechtsstreit selbst zu einem Verhandlungsgegenstand, ohne dass die bereits entstandene Akte verschwindet. Dieser Zeitunterschied prägt den Frieden: Souveränität kann die Kontrolle über eine Region an einem Tag verändern, während rechtliche Verantwortlichkeit meist über Jahre entsteht. In dieser Zwischenzeit hängen Vertriebene, Gefangene und Kulturerbe von politischen Garantien ab, bevor ein Endurteil vorliegt.
Politisches Vertrauen ist noch langsamer. Armenien muss seinen Bürgern erklären, warum die Anerkennung der territorialen Integrität Aserbaidschans weder neue Pressionen auf Sjunik noch die Aufgabe der Vertriebenen aus Bergkarabach bedeutet. Aserbaidschan muss entscheiden, ob es einen Frieden will, der nur auf der Kapitulation des Gegners beruht, oder eine Normalisierung, die die langfristigen militärischen Kosten senkt. Externe Vermittler können Foren, Karten, Beobachter und Geld anbieten. Vertrauen wird vom wiederholten Verhalten beider Seiten an der Grenze abhängen.
Fazit
Die Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan befinden sich in einer Phase nach Bergkarabach. Sie befinden sich noch nicht in einer Phase nach dem Konflikt. Aserbaidschan gewann den militärischen Streit um die Region und erlangte territoriale Kontrolle zurück. Armenien versucht, die Anerkennung bestehender Grenzen in staatliche Sicherheit, wirtschaftliche Öffnung und Mindestschutz für Vertriebene zu übersetzen. Der Abstand zwischen diesen Zielen erklärt, warum ein Friedenstext existieren kann, bevor gesellschaftlicher und politischer Frieden besteht.
Entscheidend ist der Übergang von Gewalt zu Regeln. Wenn Grenzdelimitierung, Verkehrswege, diplomatische Beziehungen und Umsetzungsmechanismen als gegenseitige Verpflichtungen behandelt werden, kann der aserbaidschanische Sieg in eine weniger instabile regionale Ordnung überführt werden. Wenn sie als Mittel zur Erzwingung weiterer Zugeständnisse dienen, verlagert das Abkommen die Spannung nur von Bergkarabach an die armenische Grenze, nach Sjunik und in internationale Rechtsforen. Dauerhafter Frieden hängt weniger von einer diplomatischen Zeremonie ab als von der Fähigkeit, zu verhindern, dass die Landkarte weiter durch militärischen Druck neu verhandelt wird.